Hölzerne Druckbuchstaben aus einer alten Zeitungsdruckerei
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Demonstrationen gegen
einen Krieg im Irak

Elena Röske, Schülersprecherin am Leibniz-Gymnasiums, auf der Kundgebung am Samstag, 15.Februar.2003,

auf dem Rathausplatz in Remscheid :


Zuerst möchte ich euch allen sagen, dass ich es schön finde. wie viele Leute heute hier sind, und dass so viele Jugendliche unter euch sind.

Ich glaube, dass sich jeder, der heute hier auf dem Rathausplatz steht, schon mehr oder minder mit der Thematik des nahenden Krieges und seinen fatalen Folgen auseinandergesetzt hat. Damit möchte ich denjenigen, die heute nicht erschienen sind, keineswegs vorwerfen, dass sie sich über den nahenden Krieg noch keine Gedanken gemacht haben.

Es gibt aber leider auch viele Menschen, die es aus verschiedenen Gründen nicht für notwendig halten, heute hier zu sein. Es mag einige geben, die denken, dass heute schon genug Leute hier sind oder denen es einfach lästig ist, sich bei einer Friedensdemonstration zu engagieren. Andere kommen nicht, weil sie denken, sie könnten ja eh nichts bewirken. Würde jeder so denken, würde ich jetzt zu mir selbst sprechen. Andere wiederum verdrängen die Problematik eines nahenden Irak-Krieges, ebenso die Folgen, möglicherweise tun sie das auch erfolgreich, wie sie denken. Doch Angst vor Krieg und das ohnmächtige Gefühl von Hilflosigkeit lassen sich nicht verdrängen. Selbst wenn man nicht darüber nachdenkt, so sind diese Gefühle immer präsent.

Ich habe eine gute Freundin, die zur Zeit als Austauschschülerin in den U.S.A. ist. In Ihren Briefen schreibt sie mir oft von ihren Ängsten vor einem nahenden Irak-Krieg. Eigene Ängste können in den verschiedensten Formen auftreten, Verlust- oder Existenzängste zum Beispiel. Oder einfach nur quälende Ungewissheit über ihre Zukunft. Angst vor terroristischen Angriffen, Angst um das Leben von Millionen unschuldiger Zivilisten, Angst vor einem Dritten Weltkrieg. Doch statt sich zu verkriechen, versucht sie offen mit ihren Ängsten umzugehen. Daher ist die Bedrohung durch einen möglichen Krieg sowohl in ihrer Gast-Familie als auch mit ihren Eltern in Deutschland ein häufiges Gesprächsthema. Ebenso unter Freunden und in der Schule wird versucht, zu lernen, mit diesen Ängsten umzugehen. Diese Vorgehensweise sollte uns alle ermutigen, unsere Ängste nicht zu verstecken oder zu überspielen.

Wenn einer den Anfang macht und ein Gespräch sucht, wird es keinem von uns länger schwer fallen, offen miteinander zu reden. In solchen Gesprächen muss deutlich gemacht werden, dass Gewalt, die aus Angst entsteht, keine Lösung für die eigenen emotionalen Probleme ist.

Aus Hilflosigkeit neigen viele Menschen und Völker dazu, alles zu zerstören, von dem sie sich bedroht fühlen. Doch viele von Ihnen führen diese Gewalt meist nicht einmal selber aus, sondern lassen sich ihre Besitztümer und ihr Land von anderen Menschen, den Soldaten, verteidigen, während sie - sprichwörtlich seelenruhig - in ihren Sesseln sitzen und unschuldigen und oft unerfahrenen Menschen beim Kriegsspiel zuschauen.

Wusstet ihr, dass bekannte Menschen wie George W. Bush, Donald Rumsfeld und Dick Cheney den Wehrdienst verweigerten oder dank ihrer einflussreichen Familien sich damals davor drückten, in den Korea- und Vietnamkrieg zu ziehen?

Durch Krieg ist der vermeindliche Gefahrenfaktor vielleicht beseitigt, die Angst vor Verlust aber lange noch nicht. Daher mag ein Militärschlag die einfachste und schnellste Möglichkeit sein, doch der Sinn einer solchen Aktion steht ebenso in Frage wie eine zufrieden stellende Auswirkung auf die persönlichen Ängste. Denn mit einer solch primitiven Vorgehensweise schadet man nicht nur einer Menge anderer Menschen, sondern hilft sich selbst auch nicht weiter. Reden, nachdenken und engagiertes Suchen nach einer konfliktlosen Lösung mag zwar durchaus anstrengender und langwieriger sein, die Auswirkungen sind jedoch weitaus nachhaltiger und zufrieden stellender. Denn so kann das Leben unzähliger Menschen gerettet werden.

Mit diesem Ziel vor den Augen bitte ich euch, Gespräche zu suchen. um auch die Menschen zu mobilisieren, die sich heute verkrochen haben, um ihnen zu zeigen, was sie tun können. Euch möchte ich bitten, versteckt eure Gefühle nicht, sprecht darüber, unternehmt etwas, was euch sinnvoll erscheint, aber verharrt nicht in Ohnmacht...